Ein Beitrag von Daniela Lupp
FreiSein für ein friedvolles Miteinander
Das hier ist ein Appell für Frieden. Nicht für die Kriegstreiber, sondern für euch.
Ich gehe deshalb nicht ein auf politische Machtspielchen, finanzielle Ursachen oder mediale Taktiken. Auch nicht auf grausige Kriegsbilder. Die kennen wir. Die Welt ertrinkt nicht an mangelnder Aufklärung, sondern an mangelnder Hoffnung.
Ich gehe hier nur auf den menschlichen Aspekt ein – und eigentlich ist er der einzige, der für Frieden zählt. Weil Krieg keinen menschlichen Aspekt hat. Krieg ist immer Unmenschlichkeit – oder Entmenschtheit, wie Karl Kraus es ausgedrückt hat.
Im 1. Weltkrieg zogen junge Burschen begeistert in den Krieg. Sie waren stolz, Teil von etwas Besonderem zu sein. Aber sie wussten es nicht besser. Sie wussten zwar, dass Krieg töten und getötet werden bedeutet, aber sie konnten sich die wahre Bedeutung davon nicht vorstellen. Wir heute wissen es. Wir kennen Aufnahmen und Erfahrungsberichte, haben zahlreiche Filme gesehen, die das übermäßige Leid zeigen.
Krieg traumatisiert nicht nur am Schlachtfeld, sondern die gesamte Familie, die Nachkommen und ganze Gesellschaften. Noch heute sollen wir uns für das schämen, was unsere Vorfahren verbrochen haben. Aber vielleicht sollten wir uns mehr darum kümmern, dass es nicht wiederholt wird. Dass all die vergangenen Taten nicht umsonst waren, weil wir es jetzt besser machen.
Die stärkste und einzige Waffe gegen den Krieg ist Frieden. Das meine ich nicht abstrakt, sondern wörtlich. Krieg braucht Lügen und Manipulation. Diese decken wir gerade fleißig auf. Aber wir laden sie mit Wut auf. Emotionen, die der Krieg braucht, sind Wut und Angst. Ohne sie ziehen nicht massenweise junge Männer los, um getötet zu werden.
Und was bringt es uns, auf alle wütend zu sein, die das jetzt mit uns machen? Sie tun es seit Generationen, und jetzt haben wir sie demaskiert. Sind wir wütend, weil sie uns manipuliert haben oder sind wir wütend, weil wir uns manipulieren ließen?
Information und Aufklärung sind wichtig, aber wenn wir wütend darauf starren, verstärken wir unser Gefühl von Machtlosigkeit.Wir brauchen nicht mehr Feuer, wir brauchen mehr Licht.
Warum können wir noch all diese Informationen veröffentlichen und weiterleiten? Weil wir so schlau sind? Glauben wir, wenn wir nur recht informiert und wütend sind, dann geben sie auf? Für sie ist das alles ein Spiel. Wir müssen aufhören mitzuspielen.
Wütend und ängstlich! Das ist es, was wir sein sollen. Damit unterstützen wir die, die wir eigentlich aufhalten wollen. Und das beginnt nicht erst im Krieg.Krieg beginnt in uns.
Für sie gilt: Hauptsache, wir fürchten uns. Hauptsache, wir streiten uns. Und das tun wir. Wir setzen uns für Frieden ein, klagen uns gleichzeitig gegenseitig an und wollen uns erziehen. Daraus entsteht kein friedliches Miteinander. Andere Meinungen werden auch in unseren Reihen nicht immer akzeptiert, aber ist es nicht genau das, wofür wir einstehen – für Meinungsfreiheit?
Wütend sind wir auch auf alle, die das Schauspiel nicht erkennen oder gar nicht erkennen wollen. Warum hören wir nicht auf, andere überzeugen zu wollen? Wir verbreiten nur noch mehr Wut und Angst damit. Wir sind genug. Wir alle müssen nichts weiter tun, als unsere eigene Wut und unsere eigene Angst zu überwinden. Friedliche Menschen kann man nicht in den Krieg führen. Und Frieden ist ansteckend, weil die Menschen friedlich leben wollen.
Ein normaler Mensch wacht nicht morgens auf und denkt: Ich war schon lange nicht mehr wütend. Heute will ich mal wieder so richtig wütend sein.
Wir wollen die Wahrheit aufdecken, belügen uns aber selbst. Zum Beispiel bei unseren eigenen Beweggründen, wenn wir wütend werden. Da ist derjenige schuld, der uns wütend macht. Das Problem ist: Die anderen denken genauso über uns.
Wir haben irgendwann die Ansicht angenommen, dass wir nur glücklich sein können, wenn alles gut läuft. Und dass wir nur friedlich sein können, wenn uns niemand ärgert. Die Welt ist also falsch und muss sich nach unseren Vorstellungen ändern, damit wir glücklich und friedlich sein können. Auf dieser Ebene entstehen Kriege.
Wir bekämpfen auch Feuer mit Feuer. Es ist das gleiche, wie Blut mit Blut reinwaschen zu wollen.
Aber, wie Albert Einstein gesagt hat:Probleme löst man niemals mit der Denkweise, mit der sie entstanden sind.
Frieden ist die einzige Waffe gegen Krieg! Damit ist der Frieden in uns selbst gemeint.
Ich glaube nicht, dass in den Menschen ein kriegerischer Dämon sitzt, der nur auf seinen Ausbruch wartet. Wenn es so wäre, dann hätte es nie friedfertige Menschen oder sogar Völker gegeben.
Blickt in die Augen eines Babys. Könnt ihr darin Kriegslüsternheit oder Machtgier erkennen? Nicht einmal Wut.
Wut und Angst sind nicht unser Normalzustand. Krieg ist nicht unser Normalzustand.
Ich sage nicht, dass man nicht mehr wütend werden darf. Wut ist eine Emotion, die ihren Grund hat. Sie zu unterdrücken würde sie erst recht in uns einschließen. Deshalb sind die Ruhigen, die Braven oft am gefährlichsten, wenn die Wut einmal hochkocht.
Es gibt auch konstruktive Wut. Sie ist nicht mit Angst, sondern mit Tatkraft verbunden. Wir nennen sie manchmal Leidenschaft. Sie richtet den Blick auf das, was wir bewahren wollen.
Niemand kann uns zwingen, wütend oder ängstlich zu sein.Das ist eine Entscheidung.
Das nennt man Widerstand – ein Wort, mit dem auch in unseren Reihen manchmal eine negative Bedeutung verbunden ist. Widerstand wird dann negativ, wenn er mit Wut und Angst besetzt ist.
Der positive Widerstand ist der, den wir bereits in den letzten Jahren bei den Demos gezeigt haben – gemeinsam und friedlich zu widerstehen. Das ist es, was ihnen Angst macht. Das ist es, was Frieden bedeutet – gemeinsam, ohne Wut, ohne Hass, ohne Angst, aber mit erhobenem Haupt Nein zu sagen.
Der Propaganda zu widerstehen, den Lügen zu widerstehen, dem Hass zu widerstehen. Damit entziehen wir dem Schauspiel die Energie, und diese können wir dann für gemeinsame friedliche Aktionen nutzen.Viele friedliche Menschen zusammen – da entsteht eine unglaubliche Kraft.
Wir sollten weniger gegen etwas kämpfen und uns mehr für etwas einsetzen – aus Überzeugung, aus Liebe, aus Mitgefühl – aufgerichtet und nicht ängstlich gebeugt, friedlich lächelnd und nicht mit wütender Faust.
Das ist mein Appell für den Frieden! Was ihr daraus macht, ist eure Entscheidung! Ich verspreche – sie wird mich nicht wütend machen.
Diesen Text alsAudioanhören.
Buchempfehlung:Friedensworte klassischer österreichischer Schriftsteller. Auch erhältlich beiKopp.
