Ein Jahr hört auf, ein weiteres beginnt. Zur Unzeit. Menschengemacht. Denn es ist Winter. Totenstarre. Und bessere Zeiten gibt’s für einen Neubeginn. Frühling zum Beispiel. Dennoch: so ist es eben, so manche haben’s entschieden und alle machen mit. Nun gut. Nun schlecht.
Ein Jahr hört auf, ein anderes beginnt. Da geht ein Seufzen durch die Welt – endlich vorbei. Im gleichen Augenblick keimt Hoffnung auf, rund um den Erdball – alles wird besser, vielleicht sogar gut. Unsäglich viele Vorsätze entstehen in der Schmiede unserer krausen Gedanken. Selbstoptimierung triumphiert und hält meist nur bis zum Neujahrskater oder längstens ein paar Tage. Ein Fluch. Auch dazu sind wir fähig. Und dennoch können wir es besser, wir haben nicht nur Hirn, sondern auch Herz.
Was wirklich zählt ist Segen.
Shakespeare’s Mercutio verflucht in „Romeo und Julia“ im Todeskampf die, die ihm sein Leben kosten. „A plague o’ both your houses“ legt ihm der Dichter in den Mund. Was folgt, ist allgemein bekannt. Und jeglicher Tragödie Sinn ist die Katharsis: zumindest wir, die wir dem Schauspiel lauschen, sollten des Besseren belehrt, das Stück verlassen und unser Leben ins Gegenteil verkehren.
„Blessings on all your houses“ wär’ eine gute Möglichkeit, das Jahr zu starten und damit dann auch jeden weiteren Tag. Wenn Flüche Mord, Totschlag und Tod bewirken, dann müsste Segen Erde und allem Lebenden den Himmel öffnen.
Wer’s glaubt, wird selig?
Nein.
Wer’s tut, wird selig!
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Text von: Michael Karjalainen-Dräger
